Du siehst einen Film und fühlst sofort: Das ist Premium. Das ist professionell. Das hat Atmosphäre. Oft kannst du nicht benennen, warum. Die Kamera ist gut, ja. Der Schnitt stimmt, sicher. Aber da ist noch etwas – ein visueller Zusammenhalt, eine Stimmung, die alles durchzieht. In den meisten Fällen ist es das Colorgrading.
Colorgrading ist die Kunst, durch Farbe Emotion zu erzeugen. Es ist der letzte Schliff, der aus gutem Material großartiges macht. Es ist der Unterschied zwischen einem Video, das nach Urlaub aussieht, und einem, das nach Netflix aussieht.
In diesem Ratgeber erfährst du, was Colorgrading ist, warum es so wichtig ist und wie es die Wirkung deiner Videos verändert. Du lernst die Grundlagen kennen und verstehst, warum diese oft unterschätzte Phase der Postproduktion den Unterschied macht.
Das Wichtigste in Kürze
Farbe transportiert Emotion: Warme Töne wirken freundlich, kühle sachlich, entsättigte dramatisch – Colorgrading lenkt, wie Zuschauer fühlen, ohne dass sie es bewusst merken.
Der Unterschied zwischen Korrektur und Grading: Farbkorrektur macht das Bild technisch korrekt, Colorgrading gibt ihm einen künstlerischen Look – beides gehört zusammen.
Konsistenz ist entscheidend: Colorgrading sorgt dafür, dass alle Aufnahmen eines Films zusammenpassen, auch wenn sie unter verschiedenen Bedingungen entstanden sind.
Ein guter Colorist macht den Unterschied: Die Software kann jeder bedienen, aber das Auge für Farbe und Stimmung entwickelt sich über Jahre – Expertise zahlt sich aus.
Schon in der Produktion mitdenken: Das beste Colorgrading kann schlechtes Ausgangsmaterial nicht retten – aber gutes Material eröffnet alle Möglichkeiten.
Was ist Colorgrading?
Colorgrading ist die Bearbeitung von Farben, Kontrasten und Helligkeiten in einem Video, um einen bestimmten Look oder eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Es passiert in der Postproduktion, nachdem der Schnitt steht.
Der Begriff umfasst eigentlich zwei Dinge, die oft vermischt werden:
Farbkorrektur (Color Correction)
Die technische Seite. Hier geht es darum, das Bild korrekt darzustellen: richtige Belichtung, neutrale Weißbalance, ausgewogene Farben. Fehler vom Dreh werden korrigiert, verschiedene Aufnahmen werden angeglichen.
Wenn eine Szene zu dunkel ist, wird sie aufgehellt. Wenn der Weißabgleich falsch war, wird er korrigiert. Wenn zwei Kameras leicht unterschiedliche Farben liefern, werden sie aneinander angeglichen.
Colorgrading (Creative Grading)
Die künstlerische Seite. Hier wird der Look des Films definiert: Welche Farbstimmung soll herrschen? Welche Atmosphäre soll transportiert werden? Wie soll der Film sich anfühlen?
Ein warmer, goldener Look für ein Lifestyle-Video. Kühle, entsättigte Töne für einen Thriller. Knackige, kontrastreiche Farben für Sport. Der Look unterstützt die Botschaft und die Emotion.
In der Praxis gehen beide Schritte ineinander über. Erst wird korrigiert, dann wird gegradet. Das Ergebnis ist ein Bild, das technisch einwandfrei ist und gleichzeitig die gewünschte Wirkung erzielt.
Warum Colorgrading so wichtig ist
Warum nicht einfach das Material nehmen, wie es aus der Kamera kommt? Weil Kameras nicht sehen, wie Menschen sehen. Und weil unbearbeitetes Material selten die gewünschte Wirkung erzielt.
Kameras sehen anders als Menschen
Das menschliche Auge passt sich automatisch an. Wir sehen Weiß als Weiß, egal ob bei Kerzenlicht oder Mittagssonne. Kameras tun das nicht. Sie zeichnen auf, was da ist – mit allen Farbstichen, Überbelichtungen und Inkonsistenzen.
Dazu kommt: Professionelle Kameras zeichnen oft in Log-Profilen auf – flache, entsättigte Bilder, die absichtlich unspektakulär aussehen. Das gibt maximalen Spielraum für die Nachbearbeitung, sieht aber ohne Grading furchtbar aus.
Farbe kommuniziert unbewusst
Menschen reagieren auf Farben emotional, ohne es zu merken. Das ist tief in uns verankert:
Warme Töne (Orange, Gelb, Rot) wirken einladend, freundlich, energetisch. Kühle Töne (Blau, Grün, Cyan) wirken ruhig, sachlich, distanziert. Hohe Sättigung wirkt lebendig und intensiv. Niedrige Sättigung wirkt gedämpft und ernst. Hoher Kontrast wirkt dramatisch und kraftvoll. Niedriger Kontrast wirkt sanft und verträumt.
Ein Unternehmensfilm über eine Technologiefirma braucht einen anderen Look als ein Video für ein Spa. Colorgrading macht diesen Unterschied sichtbar.
Konsistenz schafft Professionalität
Ein Film besteht aus vielen Einstellungen, oft an verschiedenen Tagen, an verschiedenen Orten, bei verschiedenem Licht gedreht. Ohne Colorgrading sieht jede Szene anders aus. Das wirkt amateurhaft.
Colorgrading vereinheitlicht das Material. Alle Aufnahmen bekommen denselben Grundcharakter, fügen sich zu einem konsistenten Ganzen. Das ist einer der stärksten Marker für Professionalität.
Der Look definiert die Marke
Wiederkehrende Farbstile können Teil der Markenidentität werden. Denke an den türkis-orange Teal-and-Orange-Look vieler Hollywood-Blockbuster oder die entsättigten Töne von High-End-Dokumentationen.
Für Unternehmen bedeutet das: Ein konsistenter Look über alle Videos hinweg stärkt die Wiedererkennbarkeit.
Die technischen Grundlagen
Um Colorgrading zu verstehen, hilft ein Blick auf die technischen Grundlagen.
Die Primärfarben: RGB
Digitales Video besteht aus drei Farbkanälen: Rot, Grün, Blau. Jeder Pixel wird durch die Intensität dieser drei Werte definiert. Colorgrading manipuliert diese Werte.
Die Primärkorrektur betrifft das gesamte Bild: Gesamthelligkeit, Gesamtkontrast, Gesamtfarbton.
Die Sekundärfarben
Sekundärkorrektur betrifft nur bestimmte Farben oder Bildbereiche. Der Himmel wird blauer, ohne den Rest zu verändern. Hauttöne werden wärmer, während der Hintergrund kühl bleibt.
Diese selektive Bearbeitung ermöglicht feine Steuerung und kreative Effekte.
Helligkeit, Kontrast, Sättigung
Die drei wichtigsten Parameter:
Helligkeit (Luminanz): Wie hell oder dunkel ist das Bild? Unterbelichtung wird aufgehellt, Überbelichtung abgedunkelt.
Kontrast: Der Unterschied zwischen hellen und dunklen Bereichen. Hoher Kontrast wirkt knackig, niedriger Kontrast flach.
Sättigung: Wie intensiv sind die Farben? Hohe Sättigung ist bunt und lebendig, niedrige Sättigung geht Richtung Schwarzweiß.
Lift, Gamma, Gain
Die professionelle Feinsteuerung für Helligkeit:
Lift beeinflusst die dunklen Bereiche (Schatten). Gamma beeinflusst die mittleren Bereiche (Mitten). Gain beeinflusst die hellen Bereiche (Lichter).
Mit diesen drei Reglern lässt sich der Kontrast präzise formen, ohne das gesamte Bild zu verändern.
Farbräder und Kurven
Colorgrading-Software bietet verschiedene Werkzeuge:
Farbräder erlauben, Schatten, Mitten und Lichtern unterschiedliche Farbtöne zu geben. Klassisch: Warme Lichter, kühle Schatten.
Kurven geben maximale Kontrolle. Jeder Tonwertbereich kann individuell angepasst werden, sowohl für Helligkeit als auch für einzelne Farbkanäle.
Beliebte Looks und Stile
Über die Jahre haben sich bestimmte Looks etabliert. Hier einige der bekanntesten.
Teal and Orange
Der Hollywood-Look schlechthin. Orange Hauttöne gegen einen türkisblauen Hintergrund. Funktioniert, weil Orange und Teal Komplementärfarben sind – der maximale Kontrast.
Dieser Look ist allgegenwärtig in Blockbustern und hat von dort seinen Weg in Werbung und Unternehmensvideos gefunden.
Crushed Blacks
Schatten werden nicht ganz schwarz, sondern leicht angehoben und oft mit einem Farbstich versehen. Das wirkt filmisch und nostalgisch, erinnert an analoge Filmästhetik.
Besonders beliebt bei Lifestyle- und Fashion-Content.
Desaturated / Bleach Bypass
Reduzierte Sättigung, oft mit erhöhtem Kontrast. Wirkt ernst, dramatisch, dokumentarisch. Häufig bei Thrillern, Kriegsfilmen und seriösem Content.
High Key
Helle, luftige Bilder mit wenig Schatten. Viel Weiß, weiche Kontraste. Wirkt frisch, sauber, optimistisch. Beliebt für Tech-Unternehmen und Health-Themen.
Low Key
Das Gegenteil: Dunkle Bilder mit wenig Lichtern. Dramatisch, mysteriös, intensiv. Für Premium-Marken und stimmungsvolle Inhalte.
Vintage / Film Emulation
Nachahmung von analogen Filmmaterialien. Bestimmte Farbcharakteristiken, Filmkorn, reduzierte Highlights. Für nostalgische oder authentische Wirkung.
Natural / Clean
Zurückhaltend, nah am natürlichen Bild, aber perfektioniert. Keine starken Stilisierungen, aber technisch einwandfreie Farben und optimaler Kontrast. Für Corporate und dokumentarische Formate.
Colorgrading im Kontext verschiedener Videoformate
Je nach Videoformat gibt es unterschiedliche Anforderungen an das Colorgrading.
Imagefilm und Unternehmensfilm
Der Look sollte zur Marke passen und Professionalität ausstrahlen. Oft eher zurückhaltend, aber hochwertig. Warme Töne für einladende Unternehmen, kühlere für Technologie.
Ein gutes Imagefilm-Konzept berücksichtigt den gewünschten Look von Anfang an.
Werbespot
Hier ist alles erlaubt. Der Look unterstützt die kreative Idee. Kann extrem stylisiert sein, auffällig, anders. Die Kosten für einen Werbespot beinhalten oft aufwendiges Colorgrading.
Testimonial-Video
Natürlich und authentisch. Hauttöne müssen gut aussehen, ohne künstlich zu wirken. Der Look sollte unterstützen, nicht ablenken.
Testimonial-Videos leben von Glaubwürdigkeit – zu starkes Grading kann kontraproduktiv sein.
Social Media Content
Muss auf kleinen Bildschirmen funktionieren. Oft kräftigere Farben und höherer Kontrast, damit die Videos im Feed auffallen.
Social Media Videos werden oft auf Smartphones mit stark gesättigten Displays geschaut – das beeinflusst, wie das Grading wirkt.
Produktvideo
Das Produkt muss korrekt dargestellt werden. Farben müssen stimmen, besonders bei Mode, Kosmetik oder Nahrungsmitteln. Dennoch sollte das Bild ansprechend sein.
Bei Produktvideos ist die Balance zwischen Ästhetik und Farbechtheit besonders wichtig.
Der Workflow eines Coloristen
Wie arbeitet ein professioneller Colorist?
Schritt 1: Material sichten
Der Colorist schaut sich das gesamte Material an. Wie ist die technische Qualität? Gibt es Probleme? Welche Stimmung hat der Schnitt?
Schritt 2: Referenzen und Look-Entwicklung
In Abstimmung mit dem Kunden oder Regisseur wird der gewünschte Look definiert. Referenzbilder helfen, eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Manchmal werden Look-Tests an einzelnen Szenen gemacht, bevor das gesamte Projekt bearbeitet wird.
Schritt 3: Primärkorrektur
Das Bild wird technisch in Ordnung gebracht. Belichtung korrigieren, Weißabgleich anpassen, Kontrast setzen. Das Fundament für alles Weitere.
Schritt 4: Szenen-Matching
Alle Aufnahmen einer Szene werden angeglichen. Wenn drei Kameras aus unterschiedlichen Winkeln gefilmt haben, müssen sie identisch aussehen.
Schritt 5: Creative Grading
Jetzt wird der Look angewendet. Die definierte Farbstimmung wird auf das gesamte Material übertragen. Schritt für Schritt entsteht der finale Charakter.
Schritt 6: Sekundärkorrekturen
Feinarbeit an einzelnen Elementen. Himmel verbessern, Hauttöne optimieren, störende Farben abschwächen. Die Details, die den Unterschied machen.
Schritt 7: Qualitätskontrolle
Das Ergebnis wird auf verschiedenen Monitoren geprüft. Sind die Farben konsistent? Gibt es Artefakte? Funktioniert der Look durchgängig?
Schritt 8: Export
Das finale Video wird in den benötigten Formaten ausgegeben, mit den richtigen Farbräumen für verschiedene Ausgabemedien.
Die Ausrüstung für Colorgrading
Colorgrading stellt besondere Anforderungen an Hard- und Software.
Kalibrierte Monitore
Das wichtigste Werkzeug. Ein Monitor, der Farben korrekt darstellt, ist unverzichtbar. Normale Computermonitore sind nicht farbecht – was dort gut aussieht, kann woanders völlig anders wirken.
Professionelle Grading-Monitore sind teuer, aber für ernsthafte Arbeit alternativlos.
Software
Die großen Drei: DaVinci Resolve (der Industriestandard, kostenlos in der Basisversion), Adobe Premiere Pro (mit Lumetri Color) und Final Cut Pro (mit integriertem Grading).
DaVinci Resolve gilt als das mächtigste Tool und wird von den meisten professionellen Coloristen verwendet.
Kontrollpanels
Professionelle Coloristen arbeiten oft mit speziellen Panels – physischen Reglern und Rädern, die präzisere Kontrolle ermöglichen als Maus und Tastatur.
Rechenleistung
Colorgrading ist rechenintensiv, besonders bei 4K oder höher. Schnelle Grafikkarten und viel Arbeitsspeicher beschleunigen die Arbeit erheblich.
Colorgrading schon in der Produktion mitdenken
Das beste Grading kann schlechtes Material nicht retten. Deshalb sollte Colorgrading schon in der Pre-Production und am Set mitgedacht werden.
Log-Profile nutzen
Wenn die Kamera es unterstützt, in einem Log-Profil aufnehmen. Das sieht roh furchtbar aus, gibt aber maximalen Spielraum für die Bearbeitung.
Richtig belichten
Unterbelichtetes Material rauscht beim Aufhellen. Überbelichtetes Material verliert Details unwiederbringlich. Korrekte Belichtung ist die Grundlage für gutes Grading.
Auf Licht achten
Gemischte Lichtquellen (Tageslicht plus Kunstlicht) sind schwer zu korrigieren. Das Filmteam sollte auf konsistente Lichtsituationen achten.
Farbkarten verwenden
Eine Farbkarte zu Beginn jedes Setups erleichtert das spätere Matching und die Korrektur enorm.
Mit dem Coloristen kommunizieren
Wenn der Look schon feststeht, kann der Colorist Empfehlungen für den Dreh geben. Manche Looks erfordern bestimmte Lichtsituationen oder Hintergründe.
Kosten für professionelles Colorgrading
Was kostet Colorgrading? Das hängt von Umfang und Anspruch ab.
Basis-Grading: 200 – 800 Euro
Grundlegende Korrektur und ein einfacher Look für kurze Videos. Für einfache Projekte mit begrenztem Budget.
Professionelles Grading: 800 – 2.500 Euro
Sorgfältige Korrektur, Szenen-Matching und kreativer Look für Videos bis zu zehn Minuten. Das Niveau, das die meisten Unternehmensvideos brauchen.
High-End-Grading: 2.500 – 10.000+ Euro
Aufwendige Arbeit für anspruchsvolle Projekte. Jede Szene wird individuell behandelt, komplexe Korrekturen, erstklassige Looks. Für Werbespots, Kinofilme und Premium-Content.
Bei den meisten Videoproduktionen ist Colorgrading im Paket enthalten. Die Kosten einer Videoproduktion beinhalten typischerweise professionelles Grading.
Häufige Fehler beim Colorgrading
Diese Fehler passieren oft – und sind vermeidbar.
Zu viel des Guten
Ein häufiger Anfängerfehler: Übertriebene Sättigung, extremer Kontrast, aggressiver Look. Weniger ist oft mehr. Subtiles Grading wirkt professioneller.
Hauttöne vernachlässigen
Egal welchen Look du anstrebst – Hauttöne müssen natürlich aussehen. Grüne oder magentafarbene Haut wirkt immer falsch.
Inkonsistenz
Wenn jede Szene anders aussieht, geht der rote Faden verloren. Konsistenz ist wichtiger als perfekte Einzelbilder.
Falsche Referenz
Auf einem unkalibrierter Monitor graden und sich dann wundern, warum es woanders schlecht aussieht. Immer auf korrekt kalibrierten Monitoren arbeiten.
Zu spät im Prozess
Colorgrading am Ende der Produktion als Afterthought behandeln. Besser: Den Look früh definieren und als Teil der kreativen Vision verstehen.
Fazit: Der unsichtbare Unterschied, der sichtbar wirkt
Colorgrading ist die Kunst, durch Farbe zu kommunizieren. Es ist der Unterschied zwischen einem Video, das gut aussieht, und einem, das sich gut anfühlt. Es ist der Grund, warum manche Videos professionell wirken und andere nicht.
Das Beste am Colorgrading: Wenn es gut gemacht ist, merkt man es nicht. Man fühlt nur, dass alles stimmt. Die Farben unterstützen die Botschaft, die Stimmung trägt die Geschichte, das Bild ist einfach richtig.
Für Unternehmensvideos bedeutet das: Investiere in gutes Colorgrading. Es ist der Feinschliff, der aus einem guten Video ein großartiges macht. Es ist die Professionalität, die man sieht, ohne sie benennen zu können.
Du planst eine Videoproduktion und willst sichergehen, dass auch das Colorgrading stimmt? Bei Vingo Studios ist professionelles Grading Teil jeder Produktion. Wir sorgen dafür, dass dein Video nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell überzeugt.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Kann ich Colorgrading selbst machen oder brauche ich einen Spezialisten?
Grundlegendes Grading ist mit Software wie DaVinci Resolve (kostenlos) erlernbar. Für einfache Projekte und wenn du Zeit zum Lernen investierst, ist das machbar. Für professionelle Ergebnisse – besonders bei anspruchsvollen Looks oder Projekten mit hohen Qualitätsanforderungen – lohnt sich ein erfahrener Colorist. Das Auge für Farbe und Stimmung entwickelt sich über Jahre.
Wie viel Zeit sollte man für Colorgrading einplanen?
Als Faustregel: Ein erfahrener Colorist braucht etwa das Ein- bis Dreifache der Filmlänge für professionelles Grading. Ein fünfminütiges Video benötigt also etwa fünf bis fünfzehn Stunden. Komplexe Projekte mit vielen Szenen, Szenen-Matching und aufwendigen Looks dauern entsprechend länger.
Was ist der Unterschied zwischen LUTs und manuellem Grading?
LUTs (Look-Up Tables) sind vordefinierte Farbvorgaben, die mit einem Klick angewendet werden. Sie sind ein guter Startpunkt und können Zeit sparen. Aber sie ersetzen kein manuelles Grading. Ein LUT weiß nicht, wie dein spezifisches Material aussieht, und kann keine individuellen Anpassungen vornehmen. Profis nutzen LUTs als Ausgangspunkt und passen dann manuell an.
Kann Colorgrading schlechtes Licht retten?
Begrenzt. Grundlegende Belichtungsprobleme können korrigiert werden. Aber wenn die Lichtsituation am Set fundamental falsch war – stark gemischtes Licht, komplett falsche Farbtemperatur, extreme Über- oder Unterbelichtung – kann auch Colorgrading das nicht vollständig kompensieren. Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endergebnis.
Beeinflusst das Ausgabemedium das Colorgrading?
Ja. Ein Video, das im Kino gezeigt wird, braucht anderen Farbraum und andere Helligkeit als eines für Instagram auf dem Smartphone. Verschiedene Displays haben verschiedene Charakteristiken. Professionelle Coloristen berücksichtigen, wo das Video am Ende gesehen wird, und exportieren gegebenenfalls verschiedene Versionen für verschiedene Medien.



